grausame Einschläfern

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grausame Einschläfern

Beitragvon Line » 25. Jan 2017 18:04

Hallo liebe Forum-Gemeinde,
wahrscheinlich kennt mich hier keiner. Ich bin stiller Leser ;-)
Um es kurz zu machen: Vor zweieinhalb Wochen fand ich mein Alpaka halb erfroren auf der Weide liegend! Ich kann die ganze Geschichte jetzt nicht erzählen. Es war eine Verstrickung von ganz vielen Dummen Zufällen, die zu dem Unfall geführt haben. Ich stehe immer noch unter Schock :cry:
Es war eine dieser eisigen Nächte und ich habe sofort gesehen, dass man meinen armen Samson nur noch erlösen kann.
Also rief ich sofort die Tierklinik an, schilderte den Fall und sagte, dass er ganz schnell erlöst werden muss!!!
Die Azthelferin versicherte mir schnell jemanden los zu schicken. Eine viertel Stunde später rief die Klinik zurück und sagte es wäre besser, wenn wir das Tier auf einem Hänger vorbei bringen würden. Da bin ich das erste Mal sauer geworden. Kostbare Zeit ging verloren, in der Samson gelitten hat.
Ich sagte, er liegt fest!!! Wir kriegen ihn nicht weg. Außerdem war sein Bein schon komplett abgefroren. .......
Nach einer Ewigkeit (bestimmt 30 Minuten später kam endlich die Tierärztin.) Normalerweise braucht man 10 Minuten.
Sie hat Fieber gemessen. Die Temperatur lag nur noch bei 32 Grad. Die meisten werden wissen, dass 38 Grad normal wären.
Sie konnte nicht sagen, ob das Bein gebrochen war. Aber es spielte auch keine Rolle mehr. Samson war mehr tot als lebendig. Ich hab es in seinen Augen gesehen.
Sie meinte auch, es wäre besser ihn zu erlösen.
Und jetzt kommt´s:
Die ganze Einschläferungs-Geschichte hat über 45 Minuten gedauert!!!! Das kann doch nicht sein, oder? Wir haben immer schon viele Tiere gehabt. Und egal ob Hund, Katze oder Pferd...Das Einschläfern ging immer super schnell. Es war wirklich eine Erlösung.
Aber sie fand keine Vene. Logisch bei der Unterkühlung. Aber sie hatte nur eine Pferdeschermaschine dabei. Ging natürlich nicht.
Und ich muss dazu sagen, dass die Klinik Alpaka erprobt ist. Direkt daneben hat ein Züchter seit 30 Jahren seine Alpakas stehen. Die Tierklinik war auch schon öfters da um Seminare abzuhalten.
Nachdem sie Ewigkeiten in dem Bein rum gestochen hat, meinte sie dass sie in die Lunge gehen muss. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie Samson geweint und vor Schmerzen gestöhnt hat!!! Es war so schrecklich. Wieder nach Ewigkeiten meinte sie, dass sie ins Herz stechen muss.
Sie hat eine komplette Flasche Betäubungsmittel in ihn gestochen. Keine Ahnung wie viel Milliliter das waren. 500? 600? Bei meinem Pferd war es eine Spritze. Bei Samson habe ich irgendwann aufgehört zu zählen. Ich stand unter Schock. Musste mich zusammen reißen nicht in Ohnmacht zu fallen. Ich sah nur die Spritze in seinem Herz pulsieren. Ich wollte nur noch, dass er aufhört zu leiden. Meinte es wäre besser ihn zu erschiessen. Da gab mir die Ärztin Recht.
Ich würde gern wissen, ob jemand von euch so etwas schlimmes schon mal erlebt hat? Ich bin häufig im Reitstall und jeder sagt mir, dass so etwas nicht sein darf!
Ich mache mir so große Vorwürfe, dass ich ihm nicht rechtzeitig helfen konnte. Bitte sagt mir was ich machen soll? Ist es sinnvoll mit dem Chefarzt zu sprechen? So etwas darf nie wieder ein Tier durchmachen. Das Einschläfern sollte eine Erlösung sein. Leider war es wie ein langsames Erstechen und Vergiften.

Liebe Grüße, Line
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Re: grausame Einschläfern

Beitragvon Tintenweberin » 25. Jan 2017 21:40

Ich denke, dass du genau das Richtige tust. Du lässt dir Zeit, um nach diesem Horrortrip erst einmal wieder zur Besinnung zu kommen und bleibst im Gespräch mit Leuten, die deine Erfahrungen nachvollziehen können (aber zum Glück nicht teilen mussten). Ich halte es für eine gute Idee, noch einmal Rücksprache mit dem Chefarzt zu halten, damit anderen Notfall-Tieren dieses Leid erspart bleibt (und dass du für diese schlimme Stümperei nicht auch noch Geld bezahlen musst). Ich würde in einem vergleichbaren Fall allerdings nicht allein in dieses Gespräch gehen wollen. Zum einen kann ich mir vorstellen, dass ich danach, nicht mehr ganz fahrtauglich wäre und zum anderen hätte ich für den schlimmsten Fall einer juristischen Auseinandersetzung auch lieber einen Zeugen dabei.

Just my two cents ...
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Re: grausame Einschläfern

Beitragvon Thalpaka » 26. Jan 2017 00:02

Ach du lieber Himmel. Ist das schrecklich. Ich weiß gar nicht was ich dazu schreiben soll. Ich habe das Gefühl hier spielt viel Unkenntnis eine Rolle. Ich würde auf jeden Fall noch einmal das Gespräch suchen, damit wenigstens in Zukunft so etwas vermieden werden kann. So jemand Unfähiges sollte nicht an einem Lebewesen arbeiten. Ich kann auch nicht verstehen, dass die Klinik nicht einmal mit dir gesprochen hat.
Deinem armen Tier hilft das aber alles leider nicht mehr.
Ich wünsche dir viel Kraft das zu verdauen was da geschehen ist.
Liebe Grüße, Wiltrud

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Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin,
und niemand ginge, einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.
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Re: grausame Einschläfern

Beitragvon Line » 26. Jan 2017 08:04

Ich danke euch für eure Antworten. Ich bin so schrecklich traurig...Erst heute Nacht habe ich wieder davon geträumt. Und wenn man dann wach ist, grübelt man noch mehr...
Samson war gerade mal fünf Jahre. Wir vermissen ihn alle so sehr. Regelmäßig sind wir mit Kindergarten- und Schulklassen wandern gegangen. Auch auf Laternenumzügen waren meine Tiere mit dabei. Das ganze Dorf kennt die Tiere.
Ich schaffe es kaum noch auf die Weide zu den anderen Beiden. Jedes mal habe ich das schreckliche Bild vor Augen, wie ich Samson vorfand!
Ich überlege tatsächlich gerade, meine anderen zwei Jungs abzugeben. Es ist nicht mehr das Selbe. Und ich möchte nie wieder so etwas erleben.
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Re: grausame Einschläfern

Beitragvon Carvellina » 26. Jan 2017 08:31

Liebe Line,

das ist wirklich furchtbar.
Nimm dir Zeit für dich, das zu verarbeiten. Das kann ein bisschen dauern und ich kann gut verstehen, wie schwer der Gang zur Weide fällt.
Wenn du dich dazu in der Lage fühlst, denke ich, dass ein Gespräch mit der Klinik sehr sinnvoll wäre. Dort kannst du auch ein wenig deiner Wut und Trauer lassen, das kann sehr wichtig sein, um das für dich zu bereinigen.
Guter Tipp meiner Vorrednerin: Nimm jemanden zur Verstärkung mit!

Alles Gute für dich!
Carvellina

Re: grausame Einschläfern

Beitragvon INTI » 26. Jan 2017 11:18

Zunächst einmal finde ich es großartig, dass Deine Klinik Leute hat, die rumfahren. Sowas machen hier nur die Landtierärzte, zu den Kliniken hier muß man immer hin fahren. Also Hut ab, dass die überhaupt jemanden los schicken konnten. Dass die Fahrtzeit manchmal etwas dauert liegt bei unseren Tierärzten auch daran, dass die in der Zentrale nicht wissen kann, ob der Arzt, der gerade in der Nähe ist, noch ein anders Tier zuende behandeln muß oder gleich los kann. Ich erwarte auch nicht, dass der Doc alles stehen und liegen läßt, weil ich anrufe und sage, mein Tier liegt fest. - Natürlich hoffe ich es, aber wir hatten den Fall schon umgekehrt: Da war er Mitten in einer Kastration und bekam den Anruf eines Kolikpferdes, trotzdem mußte er ja erst mal fertig machen, konnt ja nicht nach einem Hoden aufhören und die Wunde so lassen mit Klemmen dran und pipapo und die anderen aus dem Praxisteam waren am anderen Ende des Landkreises und hätten von der Fahrtzeit her noch länger gebraucht.
Ich verstehe deinen Schmerz sehr gut, aber jetzt ein paar Wochen danach, möchte ich Dir einfach die andere Seite schildern, denn ich habe wie gesagt schon ähnliches erlebt wie Du und trage den Tierärzten nichts nach, denn unser Tierarztteam tut wirklich, was sie können, auch wenn es manchmal nicht so klappt, wie es soll. Bei unserem Esel war auch keine blutführende Vene zu finden und sobald sie eine angestochen hatte und drei Tropfen Blut bekam, versiegte sie wieder. Da war es noch nicht mal so kalt, da war es allein sein Kreislauf, der an dem morgen, als wir ihn von seiner Ataxie erlösen wollten, schon aufgegeben hatte. Und man kann das Mittel eben nur dann in das Tier spritzen, wenn es sich dort auch verteilt. Wenn Du einen Schlauch knickst, kriegst du auch kein Wasser da durch. Es gibt viele physikalische Probleme, die nichts mit dem Können des Tierarzt zu tun haben. Und es ist völlig korrekt dann ins Herz zu stechen, wenn das Tier erlöst werden muß. Bei unserem Esel, hatte sich das Warten und Suchen nach Venen gelohnt, aber ein Lamm von uns mußte schon mal durch einen Stich ins Herz getötet werden. Natürlich vermeiden es die Tierärzte, wo es geht, dies zu tun, aber wenn nichts anderes hilft, ist das die angebrachte Vorgehensweise. Was das mit dem in die Lunge stechen sollte, kann ich nicht nachvollziehen, da solltest Du auf jeden Fall nachfragen und gerne uns hier berichten.
Ich hoffe, mein Beitrag ist für Dich ein wenig hilfreich.
Grüße Martina
"Kaum ist die Ernte einer Erfahrung glücklich eingebracht, wird der Acker vom Schicksal umgepflügt." Johann Nestroy

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Re: grausame Einschläfern

Beitragvon Line » 26. Jan 2017 11:59

Hallo Martina,
danke für die ehrlichen Worte. Du glaubst nicht, wie sehr ich mir den erlösenden Stich ins Herz gewünscht habe!!! Hätte ich meinen Landtierarzt, der sonst meinen Hund behandelt geholt, der hätte ihn wahrscheinlich auf diese oder ähnliche Weise erlöst. Aber wie auch immer..... Es nützt ja nichts mehr.
Es ist einfach immer noch eine Achterbahn der Gefühle. Er fehlt mir so.
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Re: grausame Einschläfern

Beitragvon Thalpaka » 26. Jan 2017 12:13

Das schlimme ist, dass man so hilflos ist und eigentlich das Beste will und Leid beenden - und es geht nicht. Das sind Bilder, die wird man nie los - zusätzlich zum Schmerz um den Tod.

Schwierigkeiten beim Einschläfern sind leider kein Einzelfall, hab schonmal sowas mit einem Pferd und einem Hund erzählt bekommen. Aber das hat auch was mit dem Können des Arztes zu tun.

Mein Vater hat in so einem Fall eben als Jäger andere Mittel gehabt und auch genutzt...

Es gibt auch nicht wenige, die sagen darum, der Schlachter ist gnädiger.
Liebe Grüße, Wiltrud

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Re: grausame Einschläfern

Beitragvon Carvellina » 27. Jan 2017 08:56

Ich kann beiden Seiten nur zustimmen.
Bei einem Lama oder Alpaka Blut abzunehmen, muss man mehr üben, als bei den meisten anderen Tieren. Liegen sie dann am Boden und ist der Kreislauf schlecht, ist das eine sehr große Herausforderung.
Ich kenne auch viele Kollegen (Tierärzte), die - wenn möglich - auch andere Methoden für gut machbar halten. Es hängt bei allen Wegen immer daran, dass der, der es macht, es auch kann.

Was ich dabei immer schade finde, ist, dass der Tierbesitzer in dieser sehr belastenden Situation nicht immer optimal mitgenommen wird. Das ist etwas, das ich sehr wichtig finde. Manche Praxen finden da gute Wege und die richtigen Worte.
Carvellina

Re: grausame Einschläfern

Beitragvon Tintenweberin » 27. Jan 2017 18:18

Wenn das nicht der richtige Platz für meine Frage ist, dann bitte ich darum, den Post zu verschieben ...

Als ich noch Ponys hatte, hatte ich mit meinem Tierarzt und einem Rinderbauern, Metzger und Jäger, aus dem Nachbarort verabredet, dass er im Fall des Falles ein verunglücktes Tier erlösen darf und soll. Wenn ich diesem Faden folge, drängt sich mir die Idee auf, dass ich es mit den Alpakas vielleicht besser genauso halten sollte ...? Ich hoffe (wie jeder andere Tierbesitzer auch) natürlich immer, dass dieser Fall nienieniemals eintritt, aber wenn es dann halt doch passiert, wäre es vielleicht besser, wenn es einen gut vorbereiteten Plan B gäbe ...
Tintenweberin

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